Ein Lönsjünger und Naturfreund / Schöpfer des Wilhelm-Heide-Parks
Vormwald
, „Jagd aus“ blasen die Hifthörner der Siegerländer Weidmannschaft für den Haus-herrn des Freien Hofes Schreiberg. Bauer Wilhelm Heide ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren gestorben. Heute (Mittwoch) werden ihn seine zahllosen Siegerländer Freunde und Jagdgefährten vieler Jahrzehnte auf seinem letzten Gang begleiten. Nur wenige Tage nach dem Grunder Schellenschmied Wilhelm Krämer ist mit Bauer Heide ein weiteres Siegerländer Original von „altem Schrot und Korn“ dahingegangen – schmerzlich vermisst von allen Siegerländer Heimatfreunden. Denn Bauer Heide war mehr als Landwirt und Gastwirt der über 100jährigen Bauernschänke Freier Hof Schreiberg. Der glühende Verehrer seines großen Vorbildes Hermann Löns war selbst ein in Wort und Schrift beredter Anwalt der Natur, der Jägerei und heimatlichen Tradition.
   Am 21. September 1884 in Trupbach geboren, nach einer schweren arbeitsreichen Jugend, übernahm Wilhelm Heide 1916 den Hof Schreiberg, dessen Erbin seine Lebensgefährtin wurde. Schon damals war der junge Bauer ein begeisterter Jäger und Löns-Freund. Als man ihn gleich nach dem 1. Weltkrieg zum Vorsteher der Haubergsgenossenschaft Sterzenbach-Schreiberg wählte, fand Heide in dem 65 Hektar großen Haubergskomplex das rechte Feld für seine Neigung. In jahrzehntelanger Arbeit schuf er im Bänkenbachtal unweit seines Hofes eine Oase der Stille – den Wilhelm-Heide-Park. Zugleich aber sorgte er für die fachgerechte und wirtschaftliche Umwandlung des Niederwaldes in Hochwald.
   Bauer Heide züchtete seit Jahrzehnten Jagdhunde, Bracken. Die vierbeinigen Jagdgenossen, die in die ewigen Jagdgründe eingingen, fanden ihre letzte Ruhestatt im Bänkenbachtal. Das war der Anfang des späteren Park. Der über 500jährigen Geschichte des Hofes Schreiberg entnahm Heide de Namen einer der ersten Hofherrinnen: Anna-Ursula. Dieser Urahne ist ein Brunnen im Bänkenbachtal gewidmet.
   Am Eingang zum Park schuf Bauer Heide ein eindrucksvolles Denkmal für sein Vorbild Hermann Löns, geschmückt mit der Aufschrift: „Lass deine Augen offen sein, geschlossen deinen Mund, so werden dir geheime Dinge kund“. Den Grundstock des Denkmals, das nun für immer auch an Bauer Heide erinnern wird, bildet ein rund 20 Zentner schwerer Sandsteinblock, der einst als Türschwelle eines Hilchenbacher Hauses diente.
   Schwere Steinquader und Findlinge, darunter auch Steine aus der Lüneburger Heide, und zahlreiche Gesteinsproben aus aller Welt sind um den Block gruppiert. Tisch und Bank aus Stein laden zur Rast ein. Unweit dieses Denkmals steht ein Gedenkstein für die Gefallenen des Dorfes Vormwald. Lehrer Suttrop hat in den vergangenen Jahren in mühevoller Ferienarbeit die Namen der Toten eingemeißelt.
   Für Bauer Wilhelm Heide wurde das letzte „Halali“ geblasen. Nach einem arbeitsreichen und verdienstvollen Leben, das den Lärm der Welt mied und die Stille der heimatlichen Wälder liebte, ist Bauer Heide auf die letzte Pirsch gegangen.

Bauer Heide, Heimatfreund und glühender Verehrer des Dichters Hermann Löns, vor dem von ihm errichteten Lönsdenkmal im Wilhelm-Heide-Park. Nun wird sein Werk immer an ihn erinnern.

Bericht der Rundschau vom 20. April 1966

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