Bauer Wilhelm Heide 80 Jahre – Ein Leben für Natur und Tierwelt – Erinnerungen an Hermann Löns
Vormwald, 19 Sept.
„Lass deine Augen offen sein, geschlossen deinen Mund, und wandle still, so werden dir geheime Dinge kund.“ Dieses Wort des Heidedichters Hermann Löns schmückt nicht nur den Löns-Gedenkstein in der „Bänkenbach“ bei Vormwald, es ist zugleich auch ein Geburtstagsgruß an den Erbauer der Gedenkstätte – an den Jäger , Haubergsvorsteher, Heimatfreund und den Bauern Wilhelm Heide. Am Montag wird der Hausherr des Freien Hofes Schreiberg 80 Jahre alt. In seiner Liebe zu Natur und Tierwelt war Löns das große Vorbild Wilhelm Heides. Allerdings scheint das Klima des oberen Ferndorftales solcher Gesinnung förderlich zu sein. Denn das nahe Hilchenbach ist schließlich auch die Heimat von „Speelmanns Richard“ und Carl Kraemer, den Vorkämpfern des Tierschutzgedanken, und des „getreuen Ekkehardt“ des deutschen Laubwaldes, Wilhelm Münker.
   Wilhelm Heide stammt aus Trupbach. Als Zehn-jähriger verlor er seinen Vater. Jahre härtester Arbeit prägten den schon früh für Gottes Natur auf-geschlossenen Jungen. 1916, vom Frontdienst zurückgestellt, übernahm Wilhelm Heide den Freien Hof Schreiberg in Vormwald, dessen Erbin seine Lebensgefährtin wurde. Begeisterter Jäger und Löns-Freund war der junge Bauer schon damals. Als man ihn vor nunmehr 45 Jahren noch zum Haubergsvorsteher der Genossenschaft Sterzenbach-Schreiberg wählte, fand Wilhelm Heide in dem 65 Hektar großen Hauberg das rechte Feld, um zu seiner Freude und zum Nutzen aller tätig zu werden. In jahrzehntelanger Arbeit schuf er eine Oase der Stille, den Wilhelm-Heide-Park in der Bänkenbach, sorgte aber zugleich auch für eine wirtschaftliche und fortschrittliche Umwandlung der Hauberge in Hochwald.

Ein Friedhof für Bracken

Es fing an damit, daß Wilhelm Heide mit gutem Erfolg Bracken züchtete, sicherlich auch eine Referenz an das große Vorbild, den ewigen Nimrod Hermann Löns. Den Jagdhunden, denen zum ersten mal „Halali“ geblasen wurde, gab Wilhelm Heide eine Grabstätte in der Bänkenbach. In-zwischen haben mehr als zwei Dutzend Jagdhunde im grünen Wald der Bänkenbach den Zugang zu den „ewigen Jagdgründen“ gefunden. Doch sie ruhen jetzt nahe einem Parkgelände, dessen seltene Pflanzen, Bäume und Farne rund um einen verträumten Weiher zur stillen Rast einladen.

Ein Brunnen für die Urahne

Nachforschungen in der rund 500jährigen Geschichte des Hofes Schreiberg ließen Wilhelm Heide auf den Namen einer der ersten Hofherrinnen stoßen: Anna-Ursula. Der schlüsselgewaltigen Urahne ist ein Brunnen im Bänkenbachtal gewidmet: der Anna-Ursula-Brunnen, dessen silberheller, den Wanderer labender Strahl, erstmals in diesem trockenen Sommer versiegte. Auch ein Hubertus-Brunnen findet sich im Waldschatten. Und viele tausend Bäume sind von der Hand Wilhelm Heides oder doch auf seine Veranlassung hin im grünen Waldrevier gepflanzt und gehegt und gepflegt worden. Der besinnlichen Stimmung im Wilhelm-Heide-Park entspricht auch der Gedenkstein mit den Namen der Kriegstoten der Haubergsgenossenschaft Sterzenbach-Schreiberg. Auch der Name des Hoferben des Freien Hofes Schreiberg steht darunter.

Findlinge aus der Lüneburger Heide

Lehrer Suttrop hat aus Liebe zur Sache in wochenlanger Ferienarbeit in den vergangenen Jahren die Namen in den Stein gemeißelt. Von seiner Hand stammen auch die Inschriften am Hermann-Löns-Denkmal, das den Eingang zum Bänkenbachtal markiert. Aus mächtigen Steinquadern, ausgedienten Sandsteintrögen und vielen Findlingen hat Wilhelm Heide hier ein Erinnerungsmal geschaffen, das im Siegerland seinesgleichen sucht. Ein über 20 Zentner schwerer Türschwellenstein, einst vor einer Hilchenbacher Haustür gelegen, bildet den Kern der Anlage. Gekrönt wird sie von einem Sandsteinblock, geziert mit dem Hifthorn, dem Zeichen der Brackenjagd. Findlinge aus der Lüneburger Heide, Stufen und Steine aus aller Welt mit entsprechenden Inschriften ergänzen das Bild. Tisch und Bank aus kühlem Stein laden zur Rast ein. Wacholderbäumchen und reicher Blumen-schmuck fehlen nicht. Am 26. September jährt sich der Todestag des Heidedichters zum 50. Male. Wilhelm Heide ist glücklich, dass er vorw enigen Jahren das Grab seines großen Vorbildes Hermann Löns in der Lüneburger Heide
besuchen durfte.

100 Jahre Bauernschenke

Im Jahre 1964 gilt es übrigens auch neben dem 80. Geburtstag Wilhelm Heides ein Jubiläum zu feiern. Die Bauernschenke im Hof Schreiberg besteht just 100 Jahre. Nach dem Bau der Provinzialstraße nach Erndtebrück eingerichtet, diente sie jahrzehntelang als Fuhrmannsgaststätte. Hier labten sich auch die Bauarbeiter, als 1882 die Eisenbahn unterhalb des Hofes gebaut wurde. Der alte Hof lag etwas unterhalb im Bereich des jetzigen Bahngeländes. Er wurde 1461 zusammen mit vier weiteren Vormwalder Höfen erstmals erwähnt. 1582 ging der Hof aus dem Besitz der nassauischen Landesherren an das Stift Keppel über und wurde bei dieser Gelegenheit von der Landessteuer befreit. Seit dieser Zeit besteht der Name Freier Hof Schreiberg.

Noch „Jägerlatein“ parat

Bauer Wilhelm Heide wird 80 Jahre alt, auf der Höhe eines arbeitsreichen und verdienstvollen Lebens, das den Lärm der Welt mied und die Stille der Siegerländer Wälder liebte. Täglich arbeitet Wilhelm Heide noch in seinem recht großen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Jagdbüchse hat er zwar an den Nagel gehängt, aber das „Jägerlatein“ hat er immer noch parat. Sieben Kinder schenkte ihm seine Lebensgefährtin, zehn Enkel wuchsen nach. Mit ihnen wünschen viele Freunde und Weidgensossen dem treuen Löns-Nachfahren in Vormwald ein herzliches „Glück auf“.

Bericht der ? Zeitung Donnerstag vom 19. September 1964

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