Waldfest mit prächtiger Stimmung – Regen tat der Freude keinen Abbruch
Vormwald, 1. Aug
. Je kleiner die Dörfer, je schöner die Feste – das kann man ohne Übertreibung von dem Waldfest sagen, das am Samstag und Sonntag zum vierten Male auf dem idyllisch gelegenen Platz im Watzenseifen gefeiert wurde. Die Bewohner des schmucken Ortes im Nordostzipfel des Siegerlandes bildeten eine herzlich verbundene Festgemeinschaft. Es war, als ob sich eine große Familie zu einer sommerlichen Feier im Grünen zusammen fand. Eine Gaudi für jung und alt und eine rundherum nette Sache. Auch die Regenschauer, die gestern Nachmittag nieder prasselten, vermochten nicht, die Stimmung zu trüben. Den Humor konnten selbst die stärksten Wolkenbrüche nicht fortspülen.

8 2Jähriger schoß mit

Am Samstagnachmittag gab die Sonne dem Fest einen freundlichen Anstrich. Im Watzenseifen knallten die Büchsen: Die Männer des Dorfes visierten den Vogel an, um ihren König zu ermitteln. Nach scharfem Duell, an dem sich als Senior der 82jährige Heinrich Vorländer mit Eifer beteiligte, wurde Ewald Schmidt Vormwalder Schützenkönig. Schützenglück hatten ebenfalls Karl Hermann Weiß, Willi Grebe und Günter Menn, die Krone, Reichsapfel und Zepter von der Stange holten. Aber auch die Jugend des Dorfes durfte Druckpunkt nehmen; allerdings schossen die Jungen nicht auf den Vogel, sondern auf Scheiben. Die ersten drei Preise sicherten sich Heinz Vorländer, Friedhelm Brüne und Rainer Vorländer. Für die Kleinsten gab es allerlei lustige Spiele, so dass alle auf ihre Kosten kamen. Abends fand man sich unter dem offenen Zeltdach ein, um sich von den Klängen der Musik auf die Tanzfläche locken zu lassen und einige frohe Stunden miteinander zu verleben. Bunte Lampions setzten bunte Tupfen, die Lichterketten gleißten und funkelten – es war ein reizendes Bild. Da auch das Wetter angenehm und mild war, wurde es ein wunderschöner Abend.

Männer schulterten Stecken

Gestern kurz nach Mittag folgte des Festes zweiter Teil. An der Gastwirtschaft Heinrich Müller sammelte sich der Festzug, der von dem Tambourkorps Vormwald und der Feuerwehrkapelle Hilchenbach mit musikalischem Schwung angeführt wurde. Junge Mädchen in Weiß trugen hübsche Blumengirlanden; in Weiß war auch die Turnerriege Kredenbach. Den Abschluss des Zuges bildeten die Männer des Dorfes, die einen Stecken mit einem Laubbusch daran geschultert hatten. Zuerst wurde das Königspaar eingeholt. Vor dem alten Fachwerkhaus hatten sich die Musiker und Männer des Dorfes postiert, an denen das Königspaar vorüber zog. Am Ehrenmal legten Bürgermeister Moll und Rudolf Vorländer einen Kranz nieder. Dann ging der Festzug durch das Dorf und zum Watzenseifen. Sobald er auf dem Platz eintraf, öffneten sich die Wolkenschleusen. Unter dem Zeltdach herrschte trotz des Regens prächtige Stimmung. An einigen Stellen, an denen es durchtropfte, fingen Witzbolde das Wasser in Biergläsern auf. Nach dem Regen wurde das Parkett von Tanzlustigen belagert. Und wenn es mal wieder einen Schauern niederplätscherte, kehrte man unter das Zelt zurück, wo der Pegel der guten Laune immer höher kletterte.

Bericht der Siegener Zeitung 1. August 1960

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