In Vormwald gibt es heute Sonderstempel
Hilchenbach-Vormwald.
Wenn heute Nacht um null Uhr die Sektkorken knallen, hat Irmgard Becker aus Hilchenbach-Vormwald gleich doppelten Grund zum feiern: neben einem neuen Jahr steht ein völlig neuer Lebensabschnitt ins Haus – Irmgard Becker, seit über 30 Jahren Posthalterin im kleinen Örtchen zwischen Hilchenbach und dem Rothaargebirge, geht in Pension. Heute morgen von 9.45 Uhr bis 10.30 Uhr sitzt die 60jährige noch einmal „offiziell“ an ihrem Schreibtisch in der kleinen Poststation an der Vormwalder Straße.
   Mit einem letzten Ansturm ist zu rechnen: Zahlreiche Siegerländer Philatelisten werden versuchen, den begehrten „Letzttags-Stempel“ auf dem Briefmarkensatz oder den Umschlag zu ergattern. Nach drei Jahrzehnten bei der Post will sich Irmgard Becker jetzt mehr der Familie widmen – und Reisen unternehmen. „Wenn man mal 60 ist, wird’s auch höchste Zeit,“ freut sich die freundliche Dame schon heute, „andererseits möchte man all die Arbeitsjahre auch nicht missen – ohne die wär's bestimmt viel zu langweilig geworden.“ Mit der Pensionärin schließt die Bundespost aus Wirtschaftlichkeitsgründen die Poststelle in Vormwald. Das Verkehrsaufkommen, so schreibt die Post, reiche für einen weiteren Betrieb der Station nicht mehr aus.
   Geschichtliches: Schon 1933 wurde in Vormwald eine Poststelle II mit Zustellung eingerichtet. Der damalige Posthalter Eduard Krämer schied 1953 aus Altersgründen aus dem Dienst aus – als Nachfolgerin wurde Irmgard Becker eingestellt. Am gleichen Tag, dem 20. April 1953, wurde die Poststelle in das Haus Wittgensteiner Straße 67 (heutige Vormwalder Straße) verlegt.
   Für die gelernte Krankenschwester, die ihren Mann aus Hellersen ins Siegerland gefolgt war, gab es genug zu tun. An besonders hektischen Tagen half ihr Mann beim Austragen der Post und Pakete - für den Transport schwerer „Post-Beförderungssachen“ standen Dienstfahrräder zur Verfügung. Nachdem die ehemals eigenständige Gemeinde Vormwald am 1. Januar 1969 im Zuge der kommunalen Neugliederung der Großgemeinde Hilchenbach zugeordnet wurde, übernahm das Hauptpostamt Hilchenbach 1 vier Monate später die Zustellung für die ganze Stadt. Von da an war die „Poststelle II mit Zustellung“ in Vormwald nur noch „Annahme-Poststelle.“
  Für Irmgard Becker, die fortan den stetigen Abbau ihrer Wochen-Arbeitsstunden registrierte, war schon bald klar, daß irgendwann das „aus“ für die Niederlassung in Vormwald kommen würde: Heute geht wieder ein kleines Stück Siegerländer Postgeschichte zu Ende...

Bericht der Rundschau 31. Dezember 1983

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